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  thema: Kontext der Kunst  
     
  Berlin, 04.06.2007 von Georg Wenzel  
     
 

Wenn wir einmal bei den Bildern von Fraktalen bleiben, so mögen diese vielleicht die Mathematiker schön finden, setzt man sie hingegen in den Kontext der Kunst, so werden sie dort oft als kitschig oder als nicht sehr interessant empfunden. Haben die Mathematiker eine sehr spezifische Ästhetik, die von anderen nicht geteilt wird, hängt sie vom Vorwissen über mathematische Zusammenhänge ab? Und wäre denn von Ihnen aus das Konzept mathematischer Schönheit übertragbar auf die Kunst?
Zum Thema: Alfons Maria Mucha

 
 

 
  Berlin, 05.06.2007 von Bernhard Freihaus  
     
 

Ich kann das Urteil vieler Künstler, unter anderem auch vieler befreundeter Künstler, über diese Bilder, die aus der Mathematik kommen, sehr gut nachempfinden. Meist kommt ja dabei heraus, daß sie kitschig sind. Ich würde selber Probleme damit haben, die meisten Bilder, die aus der Mathematik kommen, im Zusammenhang mit Kunst zu sehen. Viele Leute meinen ja schon, Sie hätten ein Kunstwerk gemacht, wenn sie ein Bild mittels des Computers mit irgendwelchen Konfigurationen zusammengebaut haben. Das ist sicher ein großes Mißverständnis Ich habe allerdings wenig Ahnung davon, wie man ein Kunstwerk von einem Nicht-Kunstwerk unterscheiden könnte, aber ich habe doch das Gefühl, daß viele Leute allzu schnellschlüssig denken, wenn sie etwas gemacht haben, das man ein Bild nennen könnte und das ein paar Leuten gefällt, daß das dann auch schon Kunst sei. In den Bildern, die aus der Mathematik kommen, liegt aber doch etwas, das für die Kunst von Interesse, vielleicht sogar von Bedeutung sein könnte. Das hat wieder mit der Frage zu tun, womit sich die Bilder beschäftigen. Wir haben besprochen, wie Chaos und Fraktale in Verbindung stehen, und ich denke doch, daß viele Künstler, die im Bereich der Malerei oder verwandter Gebiete tätig sind, sich für Fragen der Komplexität, der Darstellung von Komplexität, Ordnung in Komplexität usw. interessieren. Dabei können sie von der Mathematik inspiriert werden, sie können durch die-seBilder Einsichten von der Art gewinnen, daß in ihnen, auch wenn sie kitschig sind, etwas Geheimnisvolles, eine geometrische Botschaft steckt, die einem so nicht bewußt war. Das könnte jemand anregen, das Thema Komplexität unter Einfluß dieser Bilder dann ganz eigen und künstlerisch hochwertig darzustellen. Das ist auch in den vergangenen lahren passiert, und das ist ungefähr die Rolle dieser Bilder in der Kunst. Deswegen fühle ich mich in keiner Weise verletzt, wenn Künstler sagen, daß das, was wir in Ausstellungen gezeigt haben, keine Kunst sei, solange dieser kleine anregende Umweg doch noch möglich bleibt. Zum Thema: Dieter Krieg

 
     
  Berlin, 27.05.2007  
     
 

In der Biologie, in der Hirnforschung und sogar in den Sozialwissenschaften wird gegenwärtig viel von sich selbst organisierenden Systemen gesprochen, die natürlich irgendwie selbstähnlich sein müssen, sofern sie sich einigermaßen stabil halten wollen. Läßt sich denn von der Chaostheorie eine Brücke zur Theorie von sich selbst organisierenden Systemen schlagen? Sind das besondere Klassen von komplexen, dynamischen Systemen? Zum Thema: Bertien van Manen

 
     
  Berlin, 28.05.2007 von Manfred Bach  
     
 

Es gibt schon Verbindungen, aber es ist wahrscheinlich nicht besonders sinnvoll, die Behauptung aufzustellen, daß das eine ein Teil des anderen ist. Das Ganze ist ein großes Netzwerk, das am besten mit dem Schlagwort "nicht-lineare Phänomene" beschrieben wäre. Zu diesen gehört der Aspekt des Chaos; dazu gehört der Aspekt der Muster oder Bilder, also die Fraktale; dazu
gehört der Aspekt, daß in nicht-linearen Phänomenen die Selbstorganisation von Mustern besprochen werden kann. Es gibt also ein Netzwerk von Phänomenen, die zueinander in einer sehr innigen Verbindung stehen, aber es wäre viel zu kurz gegriffen, wenn man etwa die Chaostheorie, die Fraktale oder die Selbstorganisation in den Mittelpunkt stellen würde. Zum Thema: Anna Meyer

 
     
  Berlin, 29.05.2007 von Silvia Schmitt  
     
 

Gibt es denn schon Einsichten darüber, daß unser Erkenntnisvermögen chaotischen Regeln folgt? Ist unser Denken vielleicht in gewisser Weise fraktal? Hätte man mit mathematischen Modellen, die aus der Chaostheorie kommen, auch in der KI größere Chancen, über die Expertensysteme hinauszukommen?

Wenn das möglich wäre, würde ich mich riesig freuen. Ich gehöre nicht zu denen, die jetzt zynisch über die Expertensysteme herfallen wollen, aber ich finde doch, daß ihnen ein Verständnis dafür mangelt, wofür sie eigentlich gemacht sind. Expertensysteme verdichten und fördern den Erkenntnisprozeß oft nicht, sondern sie sind eher eine Ad-hoc-Methode, zu einer bestimmten Frage Wissen anzubieten. Es gibt Versuche, das Problem des tieferen Verständnisses mit der Chaostheorie, den Fraktalen und der Selbstorganisation zu verbinden, die alle sehr erfolgversprechend sind, aber nicht von diesem durchschlagenden praktischem Erfolg wie die Expertensysteme, weil sie eben an der Frage des Verständnisses und nicht an der des sofort vermittelbaren, käuflichen Nutzens festgemacht sind. Wenn Sie die sehr populären neuronalen Netze nehmen, dann ist der Kern von diesen die Idee der nicht-linearen Phänomene, die aus der Theorie der Hydrodynamik übernommen wurde.

Ist es denkbar, einen chaotischen Computer oder einen solchen zu bauen, der auf fraktaler Basis läuft? Die chaotischen Systeme werden ja berechnet, simuliert und visualisiert auf linear prozessierenden Computern, und auch die neuronalen Netze sind nur eine Verschaltung von solchen linear prozessierenden Rechnern. Wäre es denn denkbar, die Architektur selber anders zu gestalten?

Das bringt mich auf die Grundfrage, ob das, was wir in unserem Gehirn machen, wirklich maschinell ist? Ist das mit den Architekturen und den Arbeitsweisen eines Computers vergleichbar, oder ist das etwas ganz anderes? Wenn es vergleichbar wäre, was völlig unklar ist, obwohl manche so tun, als wäre das Gehirn ein großer Computer, dann wäre es in der Tat denkbar, daß Architekturen von Rechnern in die Richtung von chaotischen Attraktoren gebaut werden könnten. Es gibt eine Vielzahl von Messungen, Beobachtungen und auch erste theoretische Ansätze über Gehirnaktivitäten, die, soweit sie meßbar sind, etwas mit chaotischen Attraktoren zu haben. Wenn also Gehirnaktivität und chaotische Attraktoren etwas Wesentliches miteinander zu tun haben, dann wäre es vorstellbar, daß dies auf die Architektur von Rechnern zurückwirken könnte. Aber das ist ein Bereich von großer Spekulation und von vielen weißen Flecken auf einer sehr, sehr großen Landkarte.
Zum Thema: Peter Pommerer

 
     
  "Kontext der Kunst"  
     
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