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Der kahlgeschorene Kopf von Itten war ja Ausdruck dieser Weltanschauung. Ich meine auch, daß die verschiedenen Künste ein unterschiedlich starkes Mitwirken des Intellekts erfordern. In der bildenden Kunst bin ich am ehesten bereit, den Intellekt wesentlich zurückzustellen und nur die Sinne, also hier das Auge, anzusprechen. Ich habe immer meinen Kunsterzieher an der Schule gehaßt, der von mir eine Bildinterpretation verlangte, in dem er die Ewigkeit der Diagonale von links oben nach rechts unten interpretiert wissen wollte.
Bei der Musik ist es schon etwas anderes; hier will man den Intellekt nicht vollständig ausschalten, denn man will auch verstehen. Wenn ich nur eine Würfelung von Tonfolgen habe, fühle ich mich doch etwas verhohnepipelt. Wenn ich als drittes Beispiel die Kunst des Wortes nehme, so ist die zufällige Aneinanderreihung von 26 Buchstaben kein Gedicht, weil ich hier per definitionem eine intellektuelle Erwartung habe. Ich erwarte eine Erklärung. Ich will das Gedicht auch verstehen, nicht nur ästhetisch rezitieren.
Insofern kann ich auch verstehen, daß man mit einer Philosophie, die auf den einfachen Strukturen einer reduzierten Ästhetik des Konstruktivismus beruht, Schwierigkeiten hat, denn auch ich kann eine solche Philosophie nicht nachvollziehen. Das Leben ist doch wesentlich komplexer, bunter, vielgestaltiger und auch schöner. Das ist kein Widerspruch, denn hier verstehe ich "schön" nicht nur in der ästhetischen Dimension, sondern in den vielen zusätzlichen Dimensionen des Lebens. Zum Thema: Walter Dexel
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