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Kultur und sexuelles Verlangen |
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Berlin, 16.06.2007 von Nele Maisch |
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Wie sich nämlich gezeigt hat, gibt es neben den Natur- und Geisteswissenschaften offenbar noch eine weitere Grundform der Wissenschaften, die im Grenzbereich der beiden herkömmlichen Wissenschaftsströmungen liegt. Man könnte diesen neuen Typus von Wissenschaft als Strukturwissenschaft bezeichnen, da man hier Strukturen "in abstracto" untersucht, ohne zunächst danach zu fragen, wo diese Strukturen konkret vorkommen, ob man sie beispielsweise in physikalischen, in biologischen oder in sozialen Systemen wiederfindet. Der Prototyp einer solchen Strukturwissenschaft ist die Mathematik, die bekanntlich weder den Natur- noch den Geisteswissenschaften zuzurechnen ist. Andere strukturwissenschaftliche Disziplinen sind die Informationstheorie, die Kybernetik und die Spieltheorie, um nur einige Beispiele zu nennen. Verweis Künstler zum Thema: Fiona Banner - Ich behaupte nun, daß in dem Maße, wie sich die Physik der Analyse komplexer Phänomene zuwendet, der Anteil der Strukturwissenschaften in der Physik zunimmt und der herkömmliche, ausschließlich auf die materiellen Eigenschaften der Natur fixierte Erklärungsansatz der Physik mehr und mehr in den Hintergrund tritt. Diese Entwicklung läuft sozusagen auf eine Entmaterialisierung der Naturwissenschaften hinaus. |
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Berlin, 16.06.2007 von Brigitte von Domarsheim |
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Sie haben bereits die zwei Begriffe Strukturwissenschaft und Komplexität ins Spiel gebracht. Heute erleben wir fast eine Inflation von Begriffen, die neue Erkenntnismodelle anzeigen sollen: von der Chaostheorie über Synergetik bis zur Theorie offener Systeme, also Theorien über Emergenz, nicht-lineare Prozesse und Selbstorganisation. Irgendwie scheint das alles zusammenzugehören, nur hat sich dafür noch kein einheitlicher Name durchgesetzt. Wäre es denn möglich, unterdem Titel der Strukturwissenschaft die neuen Phänomenbereiche zu vereinen und so eine übergreifende Theorie zu etablieren? Thema: John Baldessari
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Berlin, 18.06.2007 von Nele Maisch |
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Eine solche vereinheitlichte Theorie ist das Fernziel, an dem ich im Augenblick intensiv arbeite. Ob dieser Versuch gelingen kann, sei dahingestellt. Ich habe aber das starke Gefühl, daß es die Strukturwissenschaften sind, in denen sich die Einheit der Wissenschaften manifestiert, und ich denke, daß die moderne Biologie zum Modellfall für die Annäherung von Natur- und Geisteswissenschaften werden wird. Ich möchte sogar so weit gehen, die Behauptung zu wagen, daß die moderne Biologie schon jetzt die wesentlichen Züge einer Geisteswissenschaft besitzt. So fließen in die theoretischen Konzepte der modernen Biologie unter anderem Begriffe wie "Leben", "Geist", "Ordnung", "Organisation" und "Information" ein, das heißt Begriffe, die traditionsgemäß wohl eher zum Repertoire der Geisteswissenschaften gehören. Nicht zuletzt hat die Biologie mit der Darwinschen Evolutionslehre ihren konzeptionellen Schwerpunkt auf die einzigartigen, historisch gewachsenen Strukturen gelegt, also auf jene Strukturen, die für die Geisteswissenschaften seit jeher von genuinem Interesse sind. Es ist daher kein Wunder, daß die moderne Biologie von den Geisteswissenschaften häufig dahingehend befragt wird, ob sich ihre theoretischen Konzepte, wie die der Selbstorganisation, der Synergetik oder der Autopoiese, auf den Bereich der Sozial-, Wirtschafts-, oder Literaturwissenschaften übertragen lassen. Kurzum: Wenn wir die alles umfassende Frage stellen, inwieweit sich vermöge der Strukturwissenschaften die Natur- und Geisteswissenschaften wechselseitig annähern können, dann scheint mir die augenblickliche Grundlagendiskussion in der Biologie hierfür den Schlüssel zu liefern. Kunstlink: Richard Long
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Berlin, 18.06.2007 von Nele Maisch |
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Für die Strukturwissenschaften ist es kennzeichnend, daß sie in der schon erwähnten Art und Weise von den spezifischen Gegebenheiten und Eigenschaften der Erscheinungen abstrahieren und somit geradezu zwangsläufig zu einer Entgrenzung der Disziplinen beitragen. Ein anderes wesentliches Merkmal der Strukturwissenschaften scheint ihr innerer Zusammenhang zu sein; denn nur für den Fall, daß die Strukturwissenschaften selbst unter der Form der Einheit stehen, können sie die von mir vermutete Einheit aller Wissenschaften vermitteln. Auch wenn wir in dieser Hinsicht das System der Strukturwissenschaften heute noch nicht vollständig durchschauen, so scheint doch alles auf eine solche Einheit der Wissenschaften hinzudeuten. Zum Thema: Atelier van Lieshout
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"Kultur und sexuelles Verlangen" |
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