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  thema: Geschichte der Biennale von Säo Paulo  
     
  Berlin, 27.05.2007 von Michael Leimen  
 

 
  Venedig, Paris, Kassel, Säo Paulo und Havanna
FORTSETZUNG
 
     
  Die Geschichte der Biennale von Säo Paulo ist komplex und umstritten und legt in vieler Hinsicht auf treffliche Weise dar, welche Widersprüche sich ergeben, wenn sich ein mächtiges, aber abhängiges Land unter den globalen Bedingungen des Kapitalismus um nationale Wiederbelebung bemüht und danach trachtet, international eine Rolle zu spielen. Die frühen Biennalen, die auf sehr hohem Niveau angesiedelt waren und in bemerkenswertem Umfang Werke der europäischen Moderne in Brasilien zeigten (auf der zweiten Biennale 1953 war in einer Übersichtsschau von Picasso Werk auch "Guernica" zu sehen, das einzige Mal, daß dieses Gemälde außerhalb Europas ausgestellt wurde), hatten zwei Dinge zur Folge. Sie machten Brasiliens Künstler und Öffentlichkeit mit moderner westlicher Kunst aus erster Hand bekannt, und sie ließen die westlichen Industrienationen erkennen, daß sich hier für sie neue Möglichkeiten zur Einflußnahme in Lateinamerika ergaben. Margaret Garlake stellt in ihrer Studie über die Bien­nale von Säo Paulo klar heraus, daß "die Rolle des Auslands bei der Biennale immer eine direkte Funktion seiner politischen und wirtschaftlichen Interessen in Brasilien und in Lateinamerika gewesen ist".
mehr: Martin Kippenberger - Die Geschichte der Preisverleihung in Säo Paulo scheint Margaret Garlakes Sichtweise zu bestätigen. Zunächst fochten die europäischen Länder den Kampf um den Preis für ihre jeweiligen Künstler unter sich aus, dann, als ab Mitte der 60er Jahre der Preis - von weitgehend lateinamerikanischen Juries - an lateinamerikanische Künstler vergeben wurde, machten sie gemeinsam Front und beschwerten sich über unfaire Parteilichkeit.
 
     
  Berlin, 29.05.2007  
     
  Ein Unterthema der Biennale von Säo Paulo ist die Einbeziehung von Arbeiten aus anderen Ländern der Drit­ten Welt, eine Praxis, die 1953 bereits fest etabliert war und es auch nach wie vor ist. Es ist allerdings schwierig zu sagen, welche Wirkung das - wenn überhaupt - gehabt hat und ob es sich in Venedig anders verhält. Säo Paulo war und ist ein dramatischer Schauplatz der Beziehungen zwischen den reichen Industrienationen und Lateinamerika. Künstlerverweise: Mark Wallinger
 
     
  Berlin, 01.06.2007  
     
  Anselm Kiefer in Brasilien

Der erste Durchbruch der Moderne in Brasilien - die 1922 auf Initiative des großen Dichters Oswald de Andrade in Säo Paulo veranstaltete Woche der Modernen Kunst - hatte die Experimente der Avantgarde zur Dekolonisation in Beziehung gesetzt. Die Moderne stand in engem Zusammenhang mit der Dekolonisation, insofern sie die patriar­chalische Autorität und diskursiven Grenzen der europäischen Kultur der Bildenden Künste herausforderte und allem, was "brasilianisch" und in der traditionellen Sprache nicht ausdrückbar war, die Tore öffnete (möglicher­weise setzte dies zugleich eine fortdauernde Krise zwischen der hermetischen Sprache der Avantgarde und den überwältigenden Kräften der brasilianischen Natur und Volkskultur in Gang). Doch die Auswirkungen der kolonialistischen Beziehungen hielten an. Was die Biennale in Säo Paulo anbelangt, so wird das umstrittene Verhältnis zum Zentrum nach wie vor bei vielen Gelegenheiten deutlich, wie auch bei der folgenden: 1987 schick­ten die Deutschen Anselm Kiefer als ihren Vertreter zur Biennale. Seine Arbeit wurde mit Interesse, in manchen Fällen sogar mit Begeisterung aufgenommen. Als daraufhin die europäische Kuratorin Dorine Mignot zwei Jahre später im Stedelijk Museum in Amsterdam eine Ausstellung mit Künstlern aus Argentinien, Uruguay, Chile und Brasilien veranstaltete, begann sie ihre Einführung im Katalog mit der Behauptung, daß "die tief empfundene Anerkennung", die die brasilianischen Künstler für Kiefers "Genie und beispiellose Brillanz" zum Ausdruck brachten, eine Bestätigung dafür sei, daß man sie ernst nehmen könne.3 Eine derart gönnerhafte Haltung erregte natürlich den Unwillen einer ganzen Reihe brasilianischer Künstler, die keineswegs ehrfürchtig vor Anselm Kiefer verstummt waren, sondern im Gegenteil seine Arbeit ebenso kritisch und sachverständig gewürdigt hatten wie die Arbeit jedes anderen Künstlers auch. Das konstante Dilemma der Biennale von Säo Paulo ist seit jeher, daß man aus den Problemen, mit denen sich wirklich unabhängige brasilianische Künstler und Kunsttheoretiker schon lang befaßt haben, nie eine intelligente Ausstellungspolitik entwickelt hat. Künstlerverweis: Georg Baselitz
 
     
  Berlin, 02.06.2007 von Michael Leimen  
     
  Paris: Neutralisierung der Magie

Vermutlich zum ersten Mal sind auf der Documenta 1992 Arbeiten von Künstlern außerhalb der reichen Industrienationen gezeigt worden. David Hammons, der wie andere auch diesen Wandel begrüßte, betonte, daß diese Tatsache allein schon die Documenta 1992 zu einem "großen Erfolg" mache.4 Drei Jahre zuvor wurden in Paris unter dem Titel "Les Magiciens de la Terre" im Centre Pompidou und in La Villette auf der "ersten umfassen­den Ausstellung zeitgenössischer Kunst" - wie die Organisatoren sie bezeichneten


 
     
     
     
     
     
     
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