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  thema: Kultur und Kunst International  
     
  Berlin, 19.05.2007 von Michael Leimen  
 

 
  Venedig, Paris, Kassel, Säo Paulo und Havanna
ÜBER DIE BIENNALEN, DIE DOCUMENTA UND »LES MAGICIENS DE LA TERRE«
 
     
  Die Biennale von Säo Paulo wurde im Jahre 1951 von dem vermögenden Industriellen italienischer Abstammung Franciso Matarazzo Sobrinho ins Leben gerufen und blieb auch bis zum Jahre 1975 in dessen zunehmend diktatori­scher Verantwortung. Säo Paulo ist das größte Industrie­zentrum Lateinamerikas. Es erlebte in den 50er Jahren einen ungeheuren Boom und hatte enorme Wachstumsra­ten zu verzeichnen. In enger Parallele zu Matarazzos Initiative baute der Zeitungsverleger Assis Chateaubriand zur gleichen Zeit das Museu de Arte de Säo Paulo und brachte dort zunächst seine Kunstsammlung unter. Beide wollten der " Arbeiter"-Stadt Säo Paulo kulturelle Geltung verschaffen und Rio de Janeiro, die ehemals kaiserliche Kapitale, als Mittelpunkt brasilianischer Kultur über­trumpfen (eine Situation ähnlich der Rivalität zwischen Rotterdam und Amsterdam in den Niederlanden).
 
     
  Berlin, 19.05.2007 von Michael Leimen  
     
  Im Falle Kubas ist es besonders schwierig, diese beiden Rollen zur Deckung zu bringen. Zu den üblichen allzugroßen Vereinfachungen, die durch die Distanz entstehen, kommt noch die seit langem gängige Praxis, das Land von einer festgelegten, eindimensionalen Warte aus zu sehen. Interpretation und Medienberichterstattung neigen zur Polarisierung zwischen übertriebener Grobheit und übertriebener Höflichkeit. Kuba wird als gleichförmige, monolithische Einheit gesehen, wo jegliches Individuum mit der gesamten Gesellschaft identifiziert wird und jedes Ereignis symptomatisch ist. Sehr gutes Beispiel Vija Celmins - So normale Vorgänge wie kombinieren, ausprobieren, feine Unterscheidungen tref­fen und Zusammenhänge herstellen sind ausgesetzt, wofür weitgehend die Isolation verantwortlich ist, die dem Land durch das US-Embargo aufgezwungen wurde - eine uner­hörte Beeinträchtigung und Hemmung der Geschichte eines anderen Landes.  
     
  Berlin, 20.05.2007 von Michael Leimen  
     
  Oder dies sind die Zwänge. Der Kunstkritiker/Tourist taucht alsbald in die Ironien und Ungereimtheiten kultureller Prozesse ein, die so sonderbar und verwirrend sind wie überall sonst auch. Innerhalb des kulturellen Ange­bots, das ich in wenigen Tagen zu sehen bekam, könnte man die Biennale von Havanna - ehrgeizig, differenziert, eindringlich und argumentativ - einordnen zwischen der fesüichen Soiree zur Feier des Gründungstages der Stadt  
     
  Berlin, 23.05.2007 von Michael Leimen  
     
  Die Organisation der Cuarta Bienal de La Habana war wirklich eine außerordentliche Leistung angesichts Kubas gegenwärtiger wirtschaftlicher Schwierigkeiten - die Lage
ist verzweifelt! - und der Tatsache, daß es an allem mangelt, vom Benzin bis hin zu Papier und Bleistift. Hinsicht­lich der Größe und Maße der ausgestellten Arbeiten, der organisatorischen Komplexität und des Beiprogramms schneidet die Biennale von Havanna gut ab im Vergleich mit anderen großen internationalen Ausstellungen wie den Biennalen von Venedig oder Säo Paulo, den umfangreichen Übersichtsschauen wie der alle vier Jahre stattfindenden Documenta in Kassel und wie der Ausstellung "Les Magiciens de la Terre" in Paris. Jason Rhoades - Ich möchte hier die kubanische Ausstellung neben die anderen großen Kunstschauen stellen, um die Frage zu erörtern, inwieweit sie sich unterscheidet und was es bedeutet, daß sie eine "Dritte-Welt"-Biennale ist.


 
     
  Berlin, 24.05.2007 von Michael Leimen  
     
  Sämtliche obengenannten Ausstellungen beanspruchen seit jeher das Prädikat "international". Auf der Biennale in Venedig sind über 40 Länder vertreten, deren Künstler in den nationalen Pavillons in den "Giardini "ausstellen. Aber im Grunde genommen ist und war Venedig schon immer eine europäische (um nicht zu sagen: eine "Erste-Welt"-) Ausstellung  
     
  Berlin, 25.05.2007 von Michael Leimen  
     
  Als 1964 zum ersten Mal einem Nordamerikaner (Rauschenberg) der Preis der Biennale zuerkannt wurde, hielt man das gewissermaßen für einen unbotmäßi­gen Übergriff seitens einiger europäischer Kommentatoren. Nunmehr teilten sich die USA und Japan das Hauptgeschäft mit westeuropäischen Ländern wie Italien, Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien, wobei die skandinavischen Länder und Griechenland mehr eine Randposition einnahmen; danach kamen vielleicht Venezuela, Brasilien und Argentinien und noch fernere Länder, die in der europäischen Presse selten erwähnt werden, wie etwa Ägypten und Indien. Wahrscheinlich aber wird auf die indischen oder ägyptischen Teilnehmer in der Presse ihrer Heimatländer sehr viel ausführlicher eingegangen: (Sigmar Polke) Jedes Land akzeptiert die nationale Basis dieses Strebens nach Internationalismus, und viele Länder der Dritten Welt wählen als ihre offiziellen Vertreter zuverlässige, angesehene Künstler aus, die sie irrtümlicherweise mit den kulturellen Erwartungen der großen Industrienationen identifizieren. Europas Schwanken zwischen Nationalismus und Internationalismus hat die Biennale von Venedig stark in Mitleidenschaft gezogen.  
  Themenverwandtschaft: Roy Lichtenstein im Kunst und Kulturforum
 
     
     
     
  Aktueller Kunst und Kultur-Event, Text Portrait von Ralph Ueltzhoeffer mehr im
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